Kategorie: Allgemein

  • Was ich diese Woche gelesen habe und interessant fand – KW 40/2026

    Leider etwas verspätet – aber letzte Woche ging es bei mir wieder einmal vor allem um Künstliche Intelligenz: wie wir über sie sprechen, wie schnell sie sich selbst verbessern könnte und wer eigentlich die Entdeckungen macht, die ihr zugeschrieben werden. Daneben habe ich viel zu Grundrechten und politischer Kultur gelesen, zu Staatsfinanzen in Frankreich und Russland sowie einiges zu Führung und Arbeit.

    Künstliche Intelligenz

    Understanding Parents’ Complex Views of AI for Children’s Pretend Play – Sungho Oh u. a., arXiv Interviews mit zehn US-Eltern zeigen: Dieselben Eigenschaften – Rollen übernehmen, reagieren, sich anpassen – gelten zugleich als Chance und als Risiko. Die größte Sorge ist fehlende Kontrolle. Die Stichprobe ist klein und sehr homogen (sieben von zehn Haushalten mit mindestens 150.000 Dollar Einkommen), das sollte man beim Lesen im Kopf behalten. Das spannenste an diesem Paper ist die Fragestellung: Wie wirkt sich KI auf das Spiel von Kindern aus? Die nächste Frage muss nun sein: Und was folgt daraus?

    What if automating AI R&D triggers an intelligence explosion? – Alan Chan, Sören Mindermann u. a. (u. a. mit Geoffrey Hinton, Yoshua Bengio, Jack Clark) Das Papier beschreibt, wie eine automatisierte KI-Forschung bessere KI baut, die wiederum die Forschung beschleunigt – Fortschritte von Jahren könnten auf Monate schrumpfen. Es nennt Zahlen aus den Laboren: Bei Anthropic stieg der KI-Anteil am genehmigten Code bis Mai 2026 auf über 80 Prozent. Lesenswert, weil hier Leute aus den Laboren selbst drei politische Prioritäten formulieren: Einblick gewinnen, steuern und begrenzen, die Gesellschaft vorbereiten.

    Did Anthropic’s A.I. Really Make a Scientific Discovery on Its Own? – Carl Zimmer, The New York Times, Anthropic hatte gemeldet, KI-Agenten hätten neue Enzyme in Jumbo-Phagen entdeckt. Der Kopenhagener Biologe Mario Rodríguez Mestre erforscht dieselben Systeme seit 2022 und hatte Claude seine Dissertation und einen Manuskriptentwurf gezeigt; Anthropic bestreitet, auf Nutzerdaten trainiert zu haben. Mich hat die Frage beschäftigt, die Mestre stellt: nicht, ob das Wissen neu war, sondern ob die KI selbst darauf gekommen ist.

    Anthropomorphism in the age of Large Language Models – Ismael T. Freire, Marceau Nahon u. a., arXiv Ein Übersichtsartikel mit einer Taxonomie von 21 Risiken, die entstehen, wenn wir Sprachmodellen menschliche Eigenschaften zuschreiben. Die Autoren empfehlen ein nüchternes Vokabular, etwa „erzeugt“ statt „denkt“ und „Fehler“ statt „Halluzination“, und warnen, dass sich Verantwortung von Unternehmen auf „die KI“ verschieben kann. Sie räumen selbst ein, dass es dazu bisher wenig kausale Studien gibt.

    How To Write With An LLM – Thomas & Erin Ptacek Die These: selbst schreiben und das Sprachmodell nur als Lektor nutzen. Keine vorgeschlagene Formulierung übernehmen und Lob des Modells misstrauen, aber Passivkonstruktionen, Nominalisierungen und Füllwörter von ihm aufspüren lassen. Lesenswert, weil es konkrete Regeln statt allgemeiner Warnungen gibt.

    Wissenschaft & Hochschulen

    Generationenwechsel verändert die Arbeit an Hochschulen – CHE Centrum für Hochschulentwicklung, via idw 68 Prozent der Rektorinnen, Rektoren und Präsidenten sind mindestens 55 Jahre alt und gehen in den kommenden zehn bis zwölf Jahren in den Ruhestand. Laut Sigrun Nickel gibt es aber keinen einheitlichen demografischen Wandel: Der Anteil der Beschäftigten ab 50 reicht von 30 Prozent in Brandenburg bis 47 Prozent in Bremen. 62 Prozent der Kanzlerinnen und Kanzler erwarten neue Arbeitsfelder, vor allem Digitalisierung und KI-Governance; rund drei Viertel lehnen die Promotion als formale Voraussetzung für Leitungsfunktionen ab.

    New Cancer Drugs Are Revolutionary. Why Don’t More Patients Get Them? – Gina Kolata, The New York Times Viele Krebspatienten in den USA bekommen keinen Gentest ihres Tumors und damit keinen Zugang zu zielgerichteten Medikamenten – bei metastasiertem Brustkrebs wurden in einer Studie 60 Prozent nicht getestet. Gründe sind unzureichende Biopsien, das Tempo der Zulassungen (im Schnitt ein neues Krebsmedikament pro Woche) und hohe Preise. Der Artikel zeigt gut, dass Forschungsfortschritt erst dann zählt, wenn er in der Versorgung ankommt.

    Politik & Recht

    Ärzte, Aktivistinnen und Internetnutzer: Diese Geheimdienstreform betrifft uns alle – Anna Biselli, netzpolitik.org Der Artikel geht die Reform von BND- und Verfassungsschutzgesetz Gruppe für Gruppe durch: Ärzte und Journalisten, deren Vertraulichkeit nur noch relativ geschützt sein soll, Aktivisten, Kfz-Werkstätten, die Telemetriedaten liefern sollen, und Betreiber von Videokameras. Die Bundesärztekammer fordert einen absoluten Schutz des Arztgesprächs. Lesenswert, weil er die abstrakte Debatte über große Bedrohungen auf konkrete Alltagsfälle herunterbricht.

    Inside CDU, Staffel 2 – ZDF Die Dokuserie begleitet die Partei in vier Folgen durch die Wahlkämpfe 2026 begleitet, von der Hoffnung nach einem Wahlerfolg im Westen bis zum Versuch, „ein Debakel im Osten zu verhindern“. Sehr sehenswert und erschreckend wie wenig professionell die CDU heute leider agiert. 

    Alles schrecklich – der Fall Amthor und die Gerechtigkeit – Thomas Fischer, SPIEGEL (Kolumne) Fischer nimmt die Aufregung um einen Strandkorb für 1.600 Euro zum Anlass, über Gerechtigkeitsfragen zu schreiben. Seine These: Hinter der Wut stecke vor allem Angst vor Kontrollverlust, und die begünstige Rufe nach radikalen „Superlösungen“. Eine Meinungskolumne, die man auch als solche lesen sollte.

    „Man kann nicht nach vorne gehen und nach hinten leben“ – Xaver von Cranach, SPIEGEL Eine Reportage über Robert Habeck, der inzwischen an der Copenhagen Business School lehrt und ein Buch über die Arktis geschrieben hat. Er warnt davor, das AfD-Ergebnis in Sachsen-Anhalt auf einzelne Faktoren zurückzuführen, und verweist auf rechtspopulistische Bewegungen in allen westlichen Demokratien. Eine Rückkehr in die Berliner Politik oder eine Parteigründung schließt er aus.

    Deutsches Heer stellt „Drohnenregiment“ auf – Thomas Wiegold, Augen geradeaus! Das Heer stellt 2027 ein Regiment auf, das Entwicklung, Erprobung und Einsatz unbemannter Systeme bündelt. Angekündigt haben das Verteidigungsminister Pistorius und Heeresinspekteur Freuding nach einem Besuch der „Experimentalserie Land“ in Bergen.

    Wirtschaft & Raumfahrt

    Isar Aerospace – Der 100-Milliarden-Plan der Raketenfirma – Thomas Jahn, Handelsblatt Die Spectrum-Rakete hat beim zweiten Versuch Satelliten in den Orbit gebracht; SpaceX hatte dafür vier Anläufe gebraucht. Die Gründer kommen aus dem Hyperloop-Team der TU München, die Firma ist bis 2028 ausgebucht und plant eine Fabrik für bis zu 40 Raketen im Jahr. Lesenswert als Gegenbeispiel zur verbreiteten Erzählung, Deutschland habe in Zukunftstechnologien den Anschluss verloren.

    So will Putin den Ukraine-Krieg im kommenden Jahr finanzieren – Carsten Volkery, Handelsblatt Der russische Haushaltsentwurf 2027 sieht 17,1 Billionen Rubel für Verteidigung vor, rund 35 Prozent der Ausgaben. Das Defizit soll über neue Steuern sinken, während zehnjährige Anleihen mit 16 Prozent rentieren und acht Prozent des Haushalts in den Schuldendienst fließen. Ein knapper, zahlenreicher Überblick.

    Druck der Anleihemärkte auf Frankreich erreicht riskantes Niveau – Friederike Hofmann, Handelsblatt Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen nähert sich 5 Prozent, der Abstand zu Deutschland ist so groß wie seit 2012 nicht mehr. Der Haushalt 2027 sieht 54 Milliarden Euro Einsparungen vor, die Regierung hat aber keine Mehrheit. Der Artikel macht deutlich, wie stark die bevorstehende Präsidentschaftswahl die Unsicherheit verstärkt.

    Das ist die Schraube, auf die Millionen VW-Besitzer warten – Haiko Tobias Prengel, SPIEGEL VW ruft weltweit über vier Millionen Autos zurück, weil eine Lenkgetriebe-Schraube rosten kann; die rostgeschützte Ersatzschraube ist kaum lieferbar. Manche Kunden bekommen deshalb vorerst wieder die alte Schraube. Laut ADAC sind Rückrufe in Deutschland seit 2009 um rund 181 Prozent gestiegen.

    Arbeit & Führung

    „Führungskräfte reden im Schnitt zu viel“ – Benjamin Ansari, Handelsblatt (Interview mit Alison Wood Brooks) Die Harvard-Professorin empfiehlt, selbst für private Gespräche kurz Themen vorzubereiten: Schon 30 Sekunden und fünf notierte Stichworte helfen. Sie rät zu „Was“- statt „Warum“-Fragen, weil Letztere schnell anklagend wirken. Führungskräfte sollten sich eher als Gastgeber verstehen und die Moderation von Besprechungen abgeben.

    Depressionen bei Leistungsträgern bleiben oft unsichtbar – Claudia Obmann, Handelsblatt (Interview mit Ulrich Hegerl) Der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erklärt, warum auch leistungsfähige Mitarbeitende schwer erkrankt sein können und warum er den Begriff „Burn-out“ für irreführend hält. Vorgesetzte sollen keine Diagnose stellen, aber das Gespräch suchen. Wichtig für alle, die Personalverantwortung tragen.

    Technik & Fundstücke

    DelayBahn zeigt Züge jetzt auf der Karte – Oliver Posselt, Caschys Blog Der Dienst zeigt unter „Wo ist mein Zug?“ Züge auf einer Karte und bietet Ankunftsalarm und Problemmeldungen von Reisenden. Die Positionen sind allerdings aus dem Fahrplan geschätzt, keine echten Live-Daten.

  • Was war diese Woche in meinen RSS-News spannend oder lesenswert – kw39

    Diese Woche ging es bei mir vor allem um künstliche Intelligenz – und zwar weniger um neue Modelle als darum, wer KI wofür einsetzt: Angreifer, Autobauer, ein Freiburger Start-up. Daneben standen eine Entdeckung zur Evolution der Photosynthese, der zweite Tag im Scheuer-Prozess und ein paar kleinere Fundstücke zu Papierformaten und Stockwerken.

    Künstliche Intelligenz

    Detecting and Countering Misuse of AI: September 2026 – Anthropic (Threat-Intelligence-Bericht, PDF)

    Anthropic dokumentiert Fälle von Dezember 2025 bis August 2026, in denen Claude für Cyberangriffe, Einflussoperationen, Überwachung, Waffenentwicklung, biologischen Missbrauch, Betrug und illegale Modell-Destillation genutzt werden sollte. Die zentrale These für den Cyberbereich: Anspruchsvolle Angriffe setzen keine anspruchsvollen Angreifer mehr voraus, weil agentische Frameworks Aufklärung, Ausnutzung und Datenverarbeitung automatisieren. Die Techniken selbst sind laut Bericht bekannt – verändert hat sich die Ökonomie der Angriffe. Ich habe die Einleitung, die Trendkapitel und die Gliederung gelesen; schon die Breite der Fallstudien zeigt, wie weit Missbrauch inzwischen reicht.

    Anthropic: Claude Opus 5.5 läutet neue Modell-Generation ein – Carsten Knobloch, Caschys Blog

    Opus 5.5 soll bei den meisten Aufgaben auf dem Niveau von Claude Fable 5.1 liegen, aber rund 40 Prozent günstiger im Betrieb sein als Opus 5 und über 30 Prozent schneller antworten. Sonnet und Haiku 5.5 sollen folgen. Interessant fand ich weniger die Benchmarks als den Hinweis, dass die Antworten kürzer werden und Kerninformationen an den Anfang stellen sollen.

    Erobern Black Forest Labs aus Freiburg nun die Robotik? – Barbara Schmidt, Badische Zeitung

    Das Freiburger Start-up mit rund 100 Beschäftigten wurde zuletzt mit 3,25 Milliarden Dollar bewertet. Das neueste Modell erzeugt laut Mitgründer Robin Rombach Bild, Video und Audio und lässt sich für Robotik einsetzen; bei Audi laufen erste Tests, bei denen Industrieroboter Handgriffe aus Beispielvideos lernen. Rombach wirbt für offene Modelle und für eine Regulierung, die bei Anwendungen statt bei Grundlagentechnologien ansetzt.

    Mercedes-Benz: Wayve AI Driver zieht in künftige Fahrzeuge ein – Carsten Knobloch, Caschys Blog

    Mercedes will innerhalb von zwei Jahren den Wayve AI Driver für Punkt-zu-Punkt-Assistenz in Stadt und auf der Autobahn integrieren. Wayve setzt auf End-to-End-Modelle statt auf detaillierte HD-Karten und Geofencing. Getestet wurde unter anderem in Stuttgart.

    What if AGI is already here, and it’s made of… children? – Pascio, X

    Der Essay argumentiert, dass allgemeine KI nicht als ein einzelnes Modell auftauchen könnte, sondern als emergentes Muster aus sehr vielen Agenten, die sich gegenseitig starten, bewerten und aussortieren – Replikation, Variation und Selektion wie in der Evolution. Das ist bewusst spekulativ, und der Autor sagt selbst, dass nichts davon eintreten muss. Lesenswert fand ich den Einwand, dass Sicherheitsrahmen fast nur für das Szenario eines einzelnen, abschaltbaren Systems gebaut werden.

    Wissenschaft & Hochschulen

    In an $80 Motel Room, a Discovery to Shed Light on the Origins of Life – Carolyn Y. Johnson, New York Times

    In einem zum Labor umgebauten Motelzimmer in North Carolina fand ein kleines Team um die Evolutionsbiologin Julia Van Etten zwei neue Arten des Einzellers Paulinella. Paulinella ist bedeutsam, weil die Aufnahme eines photosynthetischen Bakteriums, die vor 1,5 Milliarden Jahren alle Pflanzen hervorbrachte, sich hier ein zweites Mal ereignet hat – vor nur rund 100 Millionen Jahren. Mich hat neben der Biologie die Entstehungsgeschichte der Zusammenarbeit beschäftigt: Zustande kam sie über einen Gruppenchat von Nachwuchsforschenden während des US-Förderstopps Anfang 2025.

    Cyber Valley September Newsletter – Cyber Valley GmbH

    Cyber Valley hat sein zehnjähriges Bestehen mit dem Cyber Valley Day gefeiert, laut Newsletter mit fast 1.000 Gästen und Yoshua Bengio als Überraschungsredner. Dazu kommen Meldungen aus dem Ökosystem: die Gründung von grubel mit 3 Millionen Euro Pre-Seed, 6,3 Millionen Euro für Computomics, fünf Jahre ELLIS Unit Stuttgart und eine engere Kooperation mit Campus Founders und der IPAI Foundation in Heilbronn. Ich lese ihn, um einen Überblick über die KI-Landschaft in Baden-Württemberg zu behalten.

    Politik & Recht

    Scheuer-Prozess Tag 2: Kein Protokoll, keine Nachfrage, keine Erinnerung – Legal Tribune Online

    Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Berlin I wurden Andreas Scheuer und sein früherer Staatssekretär Gerhard Schulz erstmals befragt; die Anklage wirft beiden eine falsche uneidliche Aussage zum angeblichen Verschiebungsangebot der Mautbetreiber vor. Thema waren unter anderem das fehlende Protokoll des Spitzentreffens vom 29. November 2018 und die Frage, warum Scheuer Schulz nach den Presseberichten nicht auf das Angebot angesprochen hat. LTO kommt zu dem Schluss, dass sich kleinere Inkonsistenzen zeigen, die Beweislage bislang aber dünn bleibt. Ich fand den Text lesenswert, weil er nachvollziehbar zeigt, wie viel an Dokumentation und Erinnerung hängt.

    Technik & Werkzeuge

    iPhone-Aktionstaste: Unterschiedliche Schnellzugriffe für zu Hause und unterwegs – Carsten Knobloch, Caschys Blog

    Ein Kurzbefehl prüft, ob das iPhone im eigenen WLAN ist, und zeigt je nach Ergebnis ein anderes Menü auf der Aktionstaste – etwa Smart Home zu Hause, VPN unterwegs. Der Shortcut ist verlinkt und lässt sich anpassen; Nachteil ist eine schlichtere Auswahlliste statt der Ordneransicht. Für mich ein praktisches Beispiel, wie viel sich mit Kurzbefehlen ohne zusätzliche App lösen lässt.

    Fundstücke

    International Standard Paper Sizes – John Gruber, Daring Fireball

    Gruber verweist auf Markus Kuhns Erklärung der ISO-Papierformate: Das Seitenverhältnis ist die Wurzel aus zwei, sodass zwei halbierte Blätter wieder dasselbe Verhältnis haben. Deshalb lässt sich von A4 auf A5 skalieren, ohne dass sich die relativen Ränder ändern. Ein System, das wir täglich nutzen und selten bewusst wahrnehmen.

    Where Is Your Country’s First Floor? – Brilliant Maps

    Eine Karte zeigt, welche Länder das Straßenniveau als ersten Stock zählen – etwa die USA, Russland und Japan – und welche wie Deutschland mit dem Erdgeschoss beginnen. Einige Länder nutzen beide Systeme, die Belege sind in einer Tabelle je Land aufgeführt. Eine kleine Erinnerung daran, dass auch scheinbar selbstverständliche Konventionen überall anders sein können.

  • 75 Jahre feiern – gemeinsam!

    75 Jahre feiern – gemeinsam!

    Dieses Jahr gibt es gleich doppelten Grund zum Anstoßen: Mike wird 40, Olivia 35 – zusammen also 75 Jahre! Das möchten wir mit euch feiern.

    Die Party findet bei uns in der Wohnung statt. Für gute Stimmung ist gesorgt, Getränke stehen bereit und wir kümmern uns um Fingerfood. Noch schöner wird’s, wenn ihr auch etwas Leckeres zum Buffet beitragt.

    Wir freuen uns auf einen fröhlichen Abend mit euch!

  • Klimaanpassung des Sonneplatzes und die Untiefen der Kommunalpolitik

    Klimaanpassung des Sonneplatzes und die Untiefen der Kommunalpolitik

    Am 27. März 2025 tagte der Gemeinderat Gundelfingens öffentlich, um über die Zukunft des Sonneplatzes in der Ortsmitte zu beraten und Entscheidungen zu treffen. Die Sitzung verdeutlichte leider einmal mehr, auf welch hemdsärmelige Weise Kommunalpolitik in Gundelfingen teilweise betrieben wird.

    Sonneplatz – das grüne Herz Gundelfingens?

    Bereits im November 2024 fand ein Bürgerbeteiligungs-Workshop statt, gefolgt von einer Online-Umfrage, die bis zum 16. Februar 2025 lief. Die Ergebnisse wurden nun erstmals in der Gemeinderatssitzung vorgestellt. Leider lagen diese Resultate weder den Gemeinderatsmitgliedern noch den interessierten Bürgern im Vorfeld der Sitzung vor. Zu Recht kritisierte Michael Hornbruch, Vorsitzender der größten Fraktion, diesen Missstand deutlich.

    Die Ergebnisse der Online-Beteiligung sind dabei eindeutig: Von den über 350 Teilnehmenden sprach sich die überwiegende Mehrheit für eine umfassende Begrünung des Platzes, eine Steigerung der Aufenthaltsqualität sowie eine Klimaanpassung aus. Besonders bemerkenswert ist, dass über 120 Bürgerinnen und Bürger explizit für eine deutliche Reduzierung der oberirdischen Parkplätze plädieren – ein Punkt, der im Fragebogen gar nicht explizit abgefragt wurde, sondern in den Freitextfeldern aktiv benannt wurde. Lediglich eine Einzelstimme äußerte den Wunsch nach zusätzlichen Parkplätzen.

    Warum fehlt dennoch eine fundierte Parkraumanalyse?

    Trotz dieser klaren und eindeutigen Bürgermeinung existiert im Gemeinderat keine belastbare Parkraumanalyse. Dabei ist die problematische Parkplatzsituation am Sonneplatz bereits seit längerer Zeit bekannt. Bürgermeister Walz bestätigte, dass er häufig von Bürgern auf die chaotische und gefährliche Parksituation angesprochen werde. Es stellt sich daher die Frage: Warum fehlt noch immer eine Analyse, die den tatsächlichen Bedarf an oberirdischen Parkplätzen ermittelt?

    Leider verhindern einzelne lautstarke Stimmen im Gemeinderat eine sachorientierte Debatte zu diesem Thema. Sachlich betrachtet spricht wenig bis gar nichts für den Erhalt öffentlicher oberirdischer Parkplätze auf dem Sonneplatz – ausgenommen natürlich Behinderten-, Polizei-, E-Auto- und Carsharing-Parkplätze.

    Fakten zur Parkplatzsituation im Zentrum:

    In jüngerer Vergangenheit entstanden zahlreiche privat finanzierte Kundenparkplätze durch Neubauten: Drei bei der Alten Bundesstraße 72/74, weitere sechs an der Ecke Alte Bundesstraße/Wildtalstraße und vier zusätzliche vor dem REWE-Markt. Zudem stehen direkt am Sonneplatz über 70 öffentliche Tiefgaragenparkplätze zur Verfügung, die ebenso wie die oberirdischen Parkplätze in der ersten Stunde kostenfrei genutzt werden können. Diese Tiefgaragenplätze ermöglichen einen barrierefreien Zugang zu Geschäften, Praxen und dem öffentlichen Raum.

    Dennoch schlägt die Gemeindeverwaltung aktuell vor, elf oberirdische Parkplätze am Sonneplatz vorzusehen, ohne belastbare Daten zur tatsächlichen Nutzung der bestehenden Tiefgaragenplätze vorzulegen. Obwohl Gundelfingen ein 80.000 Euro teures Parkleitsystem besitzt, werden die vorhandenen Live-Daten nicht langfristig gespeichert und analysiert. Diese Analyse wäre technisch problemlos machbar, wird aber bislang nicht durchgeführt.

    Emotionale Ausbrüche statt sachlicher Diskussion

    Leider zeigte die Gemeinderatssitzung auch, dass eine sachliche Debatte erschwert wird. Ein Fraktionsmitglied, das die Vorschläge der Verwaltung unterstützte, wurde von einem prominenten Kritiker der Parkplatzreduzierung öffentlich zurechtgewiesen – begleitet von emotionalen Ausbrüchen, die den demokratischen und respektvollen Diskurs empfindlich störten. Besonders kritisch ist hierbei, dass dieser Gemeinderat von der Debatte persönlich betroffen ist. Schon allein aus Gründen der Befangenheit und Anstands hätte er sich besser zurückhalten müssen, statt Druck auf Ratskollegen auszuüben.

    Hier verdient Bürgermeister Walz Anerkennung, der sich klar für eine breite Bürgerbeteiligung und eine transparente Entscheidungsfindung einsetzt. Seine Verwaltung hat einen ersten Plan vorgelegt, der die deutliche Reduzierung der Parkplätze vorsieht und die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt.

    Forderung nach belastbaren Daten und rationaler Entscheidungsfindung

    Vor einer finalen Entscheidung sollte nun zügig eine fundierte Analyse durchgeführt werden, ob die elf vorgeschlagenen Parkplätze auf dem Sonneplatz tatsächlich notwendig sind. (Als kleiner Hinweis, ich wohne in einem der Häuser mit Tiefgarage und kann berichten: Diese Parkplätze sind größtenteils frei, 11 zusätzliche Autos könnten problemlos in den Tiefgaragen parken) Eine Entscheidung auf Basis valider Daten ermöglicht es, den Platz im Sinne der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zu gestalten: Begrünt, lebenswert und geeignet für gemeinschaftliche Aktivitäten.

    Ein zusätzlicher Vorteil wäre, dass der Verkehrsfluss auf der Alten Bundesstraße verbessert und die Gefahren für Fußgänger und Radfahrer minimiert würden.

    Mein Appell an die Gemeinde lautet daher klar: Prüfen Sie bitte rasch und faktenbasiert, ob die geplanten Parkplätze wirklich benötigt werden – für ein grünes Herz in der Mitte Gundelfingens – unseren Sonneplatz.

  • Dresden – Ein Wochenendtrip

    Dresden – Ein Wochenendtrip


    Ein kalter April in Dresden: Ein Städtetrip, der Wärme ins Herz bringt

    Ende April 2024 entschieden wir uns für einen Besuch in Dresden – in der Hoffnung, die warmen Frühlingstage der vergangenen Tage noch einfangen zu können. Stattdessen begrüßte uns eine unerwartet kalte Brise aus dem Norden, die uns schnell klarmachte: Dieser Trip würde anders als erwartet. Während brütende Hitze für Städtetrips ein bekannter Spielverderber ist, machte uns die eisige Kälte Sachsens schnell bewusst, dass auch sie nicht gerade ideale Urlaubsstimmung verbreitet. Doch wie ein Weiser aus Baden einst sagte: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.“ Mit dieser Einstellung bewaffnet, machten wir uns auf, Dresden zu erkunden: zu Fuß, mit dem ÖPNV — dem frostigen Wetter zum Trotz.

    Der historische Kern: Ein Spaziergang durch Elbflorenz

    Dresdens historischer Kern ist eine Augenweide und enttäuscht keineswegs. Die Semperoper, der Zwinger, die Residenz und die Frauenkirche – alle in unmittelbarer Nähe zueinander gelegen – sind atemberaubend und verleihen der Stadt zurecht den Beinamen „Elbflorenz“. Die vielen großzügig angelegten Plätze, untypisch für europäische Städte, verleihen Dresden eine besondere Weite und laden zum Flanieren ein. Es ist diese Mischung aus großzügiger Architektur und lebendiger Geschichte, die den Besuch in Dresden unvergesslich macht.

    Zwischen Kultur und Kulinarik: Ein Städtetrip der anderen Art

    Angesichts der Kälte wurde das Schlendern und Shoppen in der Innenstadt zur Freizeitbeschäftigung unserer Wahl. Doch was Dresden wirklich auszeichnet, ist die kulinarische Vielfalt, die diese Stadt zu bieten hat. Jeden Abend wurden wir aufs Neue positiv überrascht – vom gemütlichen Italiener am außerhalb der Innenstadt bis hin zum trendigen Japaner im Herzen des Stadtzentrums. Die Freundlichkeit der Dresdner und die Qualität der Speisen waren durchweg beeindruckend.

    Dresden – ein Wiedersehen?

    Die Frage, ob Dresden und ich Freunde fürs Leben geworden sind, lässt sich schwer beantworten. Die Stadt hat definitiv ihren Charme, doch ob es für eine baldige Rückkehr reicht, steht noch in den Sternen – nicht zuletzt wegen der großen Entfernung, die uns trennt.

    Trotzdem, für alle, die eine Stadt mit reicher Geschichte, beeindruckender Architektur und exzellenter Gastronomie erleben möchten, ist Dresden unbedingt eine Reise wert. Die kalten Tage im April haben zwar die Urlaubsstimmung herausgefordert, doch letztendlich hat Dresden gezeigt, dass es Herz und Seele zu wärmen vermag – ganz unabhängig vom Wetter.

  • Die Straßenbahn und die lokale Wirtschaft: Eine Chance für Gundelfingen

    Die Straßenbahn und die lokale Wirtschaft: Eine Chance für Gundelfingen

    In Gundelfingen machen die Nein-Kampagne und der Gewerbeverein massiv Stimmung gegen die Einführung einer Straßenbahn. Ein häufig vorgebrachtes Argument ist die mögliche Beeinträchtigung der örtlichen Geschäfte. Veränderungen sind stets beängstigend, doch wenn wir uns anschauen, wie sich Straßenbahnen – oder das Fehlen derselben – auf die lokale Wirtschaft auswirken, erhalten wir ein differenziertes Bild:

    Ein überzeugendes Beispiel finden wir südlich von Freiburg, in den Stadtteilen Ebnet und Littenweiler. Obwohl Ebnet bereits 1974 nach Freiburg eingemeindet wurde, hat es seine dörfliche Struktur mit eigenen Vereinen und einer aktiven Bürgerschaft bewahrt. Dennoch hat es bei der Verkehrsplanung im Vergleich zu Littenweiler den Kürzeren gezogen. Die Straßenbahnstrecke verläuft nicht durch die ursprüngliche Hauptverkehrsstraße, die Schwarzwaldstraße, mit einer Endhaltestelle in Ebnet, sondern sie führt durch Littenweiler und endet bis heute vor Ebnet.

    Der Vergleich zwischen Ebnet und Littenweiler, insbesondere in Bezug auf ihre jeweiligen Zentren, spricht Bände. Ebnet hat keine Geschäfte mehr; selbst die Tankstelle mit dem einstigen „Dorfladen“ musste in den letzten Jahren schließen. Im Gegensatz dazu blüht das Zentrum von Littenweiler, das eine Straßenbahnhaltestelle bietet.

    Dieses Muster zeigt sich auch an anderen Stellen in Freiburg. Straßenbahnen schaden nicht den lokalen Einzelhandelsgeschäften, die auf die Versorgung der unmittelbaren Nachbarschaft ausgerichtet sind, sondern sie fördern diese. Ein Beispiel liefert die Elsässer Straße im Vergleich zur parallel verlaufenden Sundgauallee, die nur durch den Seepark getrennt sind. Während die Elsässer Straße von Bussen bedient wird, hat die Sundgauallee eine Straßenbahn. Letztere verzeichnet mehr Geschäfte und ein lebendigeres Umfeld.

    Der Mythos, dass die Gundelfinger mit einer Straßenbahn eher in die Freiburger Innenstadt fahren würden, um ihre Einkäufe zu erledigen, als direkt vor der Haustür, ist irreführend. Die Geschäfte in der Freiburger Innenstadt haben eine andere Funktion als die lokal ausgerichteten in Gundelfingen. Hier haben wir Metzger, Bäcker und kleine Einzelhändler. Die meisten Geschäfte vor Ort erfüllen das Bedürfnis der Kunden, schnell von zu Hause aus loszugehen und Einkäufe zu tätigen. Die Freiburger Innenstadt dient hingegen dem gemütlichen Bummeln und Schaufensterschauen. Niemand fährt schnell nach Freiburg, um beim Metzger oder Bäcker das Abendbrot zu holen, und das wird sich auch mit einer Straßenbahn nicht ändern.

    Die Straßenbahn erweitert jedoch die Reichweite des Begriffs „lokal“. Ein oder zwei Straßenbahnhaltestellen entfernt ist immer noch „nebenan“, was den schnellen Einkauf am Wochenende oder nach Feierabend erleichtert. Die Straßenbahn wird die Reichweite unserer lokalen Geschäfte erhöhen und somit ihre Stärke ausbauen.

    Während der Bauzeit wird es zweifellos Einschränkungen geben. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass der Gemeinderat die Planungen intensiv begleiten und sicherstellen wird, dass die Ortsmitte zu jeder Zeit erreichbar ist. Außerdem sind wir als Dorfgemeinschaft gefragt. Gerade während der Bauzeit müssen wir zusammenstehen, lokal einkaufen und die Geschäfte und Restaurants hier in Gundelfingen unterstützen. Unsere starke Dorfgemeinschaft wird dazu in der Lage sein – darauf vertraue ich.

    Lasst uns Gundelfingen eine Chance für die Zukunft geben. Am 12. November stimmen Sie für ein „Ja“, damit Gundelfingen blüht und nicht abgehängt wird.

  • iOS 17 erkennt nun Symbole

    Solche Funktionen mögen erst mal ein Lächeln auf das Gesicht treiben, wer braucht den so etwas … Aber im Zusammenhang mit Vision OS und einer Argumented Reality Zukunft werden solche Funktionen wichtig werden.

    Mehr dazu bei:

    https://www.macrumors.com/2023/06/28/ios-17-laundry-symbol-visual-lookup/

  • Ein Protokoll für Terminvereinbarungen

    Wie praktisch alle erwachsenen Menschen stehe ich regelmäßig vor dem Problem Termine zu vereinbaren und ganz ehrlich: Ich hasse das. Wann haben alle Beteiligten Zeit? Wann bin ich vor Ort? Kurzfristige Absagen oder Verschiebungen … es ist ein Graus!

    Warum hat das bis 2023 noch niemand befriedigend technisch gelöst? Viele Menschen und Dienstleistungsanbieter nutzen digitale Kalender. Sollten wir nicht mittlerweile in der Lage sein, unsere Termine durch den Computer planen zu lassen?

    Wir brauchen ein Protokoll! Eine Möglichkeit, dass wir unsere Verfügbarkeiten sicher mit Anderen teilen können. Dass wir Terminanfragen versenden können, mit 3/4 Optionen – zu denen wir dann zu- oder absagen können. Das muss doch möglich sein. Liebe ITler – könnt ihr da nicht was entwickeln?

    Herausforderungen, die ich sehe:

    • Datenschutz bei Verfügbarkeiten
    • Terminanfragen vs. Schreibrecht anderer auf meinen Kalender
    • Einbindung von KI? (Ich muss z.B. regelmäßig zum Friseur, kann eine KI das nicht für mich einplanen)
    • Koordination mehrerer Kalender einer einzelnen Person (ich darf z.B. meinen dienstlichen Kalender nicht teilen und auch nicht mit meinem privaten Kalender verbinden, ob ich verfügbar wäre, ist also nur durch die Kombination beider Kalender erkennbar)