Schlagwort: Gundelfingen

  • Offener Brief zur aktuellen Planung des Sonneplatzes in Gundelfingen als „PARKPLATZ-PLATZ“

    Offener Brief zur aktuellen Planung des Sonneplatzes in Gundelfingen als „PARKPLATZ-PLATZ“

    Wir fordern ein Grünes Herz Gundelfingens!

    Sehr geehrter Herr Bürgermeister Walz,

    sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderats,
    liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

    mit großer Sorge verfolgen wir die aktuellen Planungen für den Sonneplatz. Wir wenden uns mit diesem offenen Brief an Sie, um auf dringend notwendige Änderungen hinzuweisen und im Interesse der gesamten Gemeinde eine zukunftsorientierte Neugestaltung einzufordern.

    Vollständiger Verzicht auf oberirdische Parkplätze: Die geplante Beibehaltung von regulären öffentlichen Parkplätzen auf dem Sonneplatz steht in unseren Augen im Widerspruch zu den Zielen einer lebenswerten Ortsmitte. Der vollständige Wegfall regulärer öffentlicher oberirdi-scher Parkplätze ist notwendig. Bereits heute stehen barrierefreie Tiefgaragenplätze in gro-ßer Zahl zur Verfügung — die ersten 60 Minuten sind dort kostenlos. Allein die neu geschaffe-nen und privat finanzierten Parkplätze vor Rewe und Friseur Witzigmann haben in den letzten Monaten 10 neue Parkplätze für Arztpraxen, Gewerbe und Einkauf geschaffen. Es gibt keinerlei Notwendigkeit, weiterhin Autos auf dem Sonneplatz abzustellen. Im Gegenteil: Jede oberirdi-sche Stellfläche geht zulasten der Aufenthaltsqualität und widerspricht den Interessen von uns Fußgänger*innen und Radfahrenden, die sich einen sicheren und attraktiven Ortskern wünschen.

    Mehr Sicherheit für Kinder und Radfahrende: Die aktuelle Parkplatzsituation sowie die beste-hende Ampelschaltung am Sonneplatz stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Täglich beobachten wir gefährliche Situationen durch Ein- und Ausparkmanöver und unübersichtliche Verkehrsführung — besonders Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zur Schule sowie Rad-fahrende sind gefährdet. Es darf nicht sein, dass unsere Kinder und alle nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmenden in der Ortsmitte unnötigen Gefahren ausgesetzt werden. Eine konse-quent fußgänger*innen- und fahrradfreundliche Umgestaltung des Platzes und seines umge-benden Verkehrsraums ist überfällig, um die Verkehrssicherheit deutlich zu erhöhen.

    Klimagerechte Umgestaltung jetzt: Die jüngsten Hitzetage haben eindrucksvoll gezeigt, wie drängend der Sonneplatz klimagerecht umgestaltet werden muss. Eine sich aufheizende, hit-zeverstärkende Fläche im Ortszentrum ist in Zeiten des Klimawandels nicht länger vertretbar. Statt Versiegelung und heißem Pflasterstein brauchen wir stadtklimatische Entlastung. Der Sonneplatz muss von einer Hitzeinsel in eine kühlende Oase verwandelt werden, die auch an Extremwettertagen Aufenthalte im Freien ermöglicht. Die Bürgerinnen und Bürger Gundelfin-gens und insbesondere auch die Anwohnenden erwarten zu Recht, dass dieser zentrale Platz an kommende Klimaanforderungen angepasst wird.

    Grün, Wasser und Fahrrad-Infrastruktur: Der geplante Umbau des Sonneplatzes muss eine langfristige Klimaanpassung ermöglichen. Dazu gehören eine starke Begrünung durch Schat-ten spendende Bäume und andere Bepflanzungen, sowie kühlende Elemente wie Wasserspie-le und Trinkbrunnen. Solche Maßnahmen steigern die Aufenthaltsqualität erheblich und ver-bessern das Mikroklima deutlich. Ebenso wichtig sind zeitgemäße Angebote für den Individu-alverkehr abseits des Autos: Wir fordern überdachte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und Lastenräder direkt am Platz. Das kommt den vielen Menschen zugute, die klimafreundlich mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind und stärkt die lokale Nahmobilität nachhaltig.

    Zukunftsweisende Verkehrslösungen einplanen: Die Neugestaltung des Sonneplatzes darf nicht kurzsichtig sein, sondern muss zukünftige Entwicklungen von Anfang an mitdenken. Es gilt sicherzustellen, dass die heutige Platzgestaltung mit einem möglichen Ausbau des öf-fentlichen Nahverkehrs vereinbar ist. Konkret sollte weiterhin langfristig eine Straßen-bahntrasse durch Gundelfingen möglich bleiben. Gundelfingen wächst — nicht zuletzt abseh-bar durch Nägelesee Nord — und mit ihm das Verkehrsaufkommen aller Art. Ein modernes Zentrum muss darauf vorbereitet sein, indem es den öffentlichen Verkehr, Fußgänger*innen und Radfahrende priorisiert und hierfür genügend Raum auch für steigende Nut-zer*innenzahlen lässt, ohne die Aufenthaltsqualität zu beeinträchtigen.

    Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger unterstützt den Wandel: Es ist für uns unverständlich, dass sich dennoch die Fraktionsvorsitzenden von SPD, FW und CDU sowie zahlreiche Mitglieder dieser Fraktionen des Gemeinderats gegen diese notwendige Entwicklung stellen. Damit ignorieren sie die deutliche Mehrheit der Bürger*inneninteressen, wie sie aus der Online-Beteiligung zum Sonneplatz klar hervorgeht. Hunderte Gundelfingerinnen und Gundelfinger haben sich in Umfragen und Workshops für einen grüneren, kühleren und menschenfreundli-cheren Sonneplatz ausgesprochen. Diese Stimmen dürfen nicht länger übergangen werden! Dass Bürgermeister Walz diese von der Gemeinde finanzierten und dokumentierten Formate zur Bürger*innenbeteiligung in den Gundelfinger Nachrichten vom 03.07.2025 delegitimiert und in der Wertung mit individuell geführten Gesprächen gleichsetzt, empfinden wir schon fast als einen Skandal. Wir erwarten von den gewählten Vertreter*innen, dass sie dem Willen der Bürgerschaft Rechnung tragen und mutige Schritte für die Zukunft unserer Gemeinde ge-hen!

    Gundelfingen braucht ein lebendiges, grünes Zentrum — keinen „Parkplatz-Platz“: Daher for-dern wir den Gemeinderat und die Verwaltung nachdrücklich auf, die Planungen sofort zu kor-rigieren. Eine alternative Planung muss jetzt erarbeitet werden — eine Planung, die auf Le-bensqualität, Sicherheit und Klimaresilienz setzt, anstatt an überholten Autoprioritäten fest-zuhalten. Gundelfingen braucht keinen zentralen Parkplatz, sondern einen lebendigen Orts-mittelpunkt, der zum Verweilen einlädt und allen Generationen zugutekommt. Kurz: Unsere Gemeinde braucht keinen Parkplatz-Platz, sondern ein sicheres, grünes Herz, das diesen Na-men verdient. Niemandem wird dadurch das Auto weggenommen, aber vielen wird dadurch für die Zukunft etwas gegeben.

    Wir appellieren an Sie, sehr geehrter Herr Bürgermeister Walz und den ganzen Gemeinderat, im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger Gundelfingens zu handeln. Nutzen Sie die Chance, den Sonneplatz zu einem zukunftsfähigen Aushängeschild unserer Gemeinde zu machen! Zeigen Sie, dass Gundelfingen den Mut hat, Veränderungen zum Wohle der Allgemeinheit um-zusetzen!

     

    Mit freundlichen Grüßen,

    die Sprecher*innen des Arbeitskreis Mobilität Gundelfingen,

    Silke Eisfeld, Daniel Mader und Mike Höfer

  • Klimaanpassung des Sonneplatzes und die Untiefen der Kommunalpolitik

    Klimaanpassung des Sonneplatzes und die Untiefen der Kommunalpolitik

    Am 27. März 2025 tagte der Gemeinderat Gundelfingens öffentlich, um über die Zukunft des Sonneplatzes in der Ortsmitte zu beraten und Entscheidungen zu treffen. Die Sitzung verdeutlichte leider einmal mehr, auf welch hemdsärmelige Weise Kommunalpolitik in Gundelfingen teilweise betrieben wird.

    Sonneplatz – das grüne Herz Gundelfingens?

    Bereits im November 2024 fand ein Bürgerbeteiligungs-Workshop statt, gefolgt von einer Online-Umfrage, die bis zum 16. Februar 2025 lief. Die Ergebnisse wurden nun erstmals in der Gemeinderatssitzung vorgestellt. Leider lagen diese Resultate weder den Gemeinderatsmitgliedern noch den interessierten Bürgern im Vorfeld der Sitzung vor. Zu Recht kritisierte Michael Hornbruch, Vorsitzender der größten Fraktion, diesen Missstand deutlich.

    Die Ergebnisse der Online-Beteiligung sind dabei eindeutig: Von den über 350 Teilnehmenden sprach sich die überwiegende Mehrheit für eine umfassende Begrünung des Platzes, eine Steigerung der Aufenthaltsqualität sowie eine Klimaanpassung aus. Besonders bemerkenswert ist, dass über 120 Bürgerinnen und Bürger explizit für eine deutliche Reduzierung der oberirdischen Parkplätze plädieren – ein Punkt, der im Fragebogen gar nicht explizit abgefragt wurde, sondern in den Freitextfeldern aktiv benannt wurde. Lediglich eine Einzelstimme äußerte den Wunsch nach zusätzlichen Parkplätzen.

    Warum fehlt dennoch eine fundierte Parkraumanalyse?

    Trotz dieser klaren und eindeutigen Bürgermeinung existiert im Gemeinderat keine belastbare Parkraumanalyse. Dabei ist die problematische Parkplatzsituation am Sonneplatz bereits seit längerer Zeit bekannt. Bürgermeister Walz bestätigte, dass er häufig von Bürgern auf die chaotische und gefährliche Parksituation angesprochen werde. Es stellt sich daher die Frage: Warum fehlt noch immer eine Analyse, die den tatsächlichen Bedarf an oberirdischen Parkplätzen ermittelt?

    Leider verhindern einzelne lautstarke Stimmen im Gemeinderat eine sachorientierte Debatte zu diesem Thema. Sachlich betrachtet spricht wenig bis gar nichts für den Erhalt öffentlicher oberirdischer Parkplätze auf dem Sonneplatz – ausgenommen natürlich Behinderten-, Polizei-, E-Auto- und Carsharing-Parkplätze.

    Fakten zur Parkplatzsituation im Zentrum:

    In jüngerer Vergangenheit entstanden zahlreiche privat finanzierte Kundenparkplätze durch Neubauten: Drei bei der Alten Bundesstraße 72/74, weitere sechs an der Ecke Alte Bundesstraße/Wildtalstraße und vier zusätzliche vor dem REWE-Markt. Zudem stehen direkt am Sonneplatz über 70 öffentliche Tiefgaragenparkplätze zur Verfügung, die ebenso wie die oberirdischen Parkplätze in der ersten Stunde kostenfrei genutzt werden können. Diese Tiefgaragenplätze ermöglichen einen barrierefreien Zugang zu Geschäften, Praxen und dem öffentlichen Raum.

    Dennoch schlägt die Gemeindeverwaltung aktuell vor, elf oberirdische Parkplätze am Sonneplatz vorzusehen, ohne belastbare Daten zur tatsächlichen Nutzung der bestehenden Tiefgaragenplätze vorzulegen. Obwohl Gundelfingen ein 80.000 Euro teures Parkleitsystem besitzt, werden die vorhandenen Live-Daten nicht langfristig gespeichert und analysiert. Diese Analyse wäre technisch problemlos machbar, wird aber bislang nicht durchgeführt.

    Emotionale Ausbrüche statt sachlicher Diskussion

    Leider zeigte die Gemeinderatssitzung auch, dass eine sachliche Debatte erschwert wird. Ein Fraktionsmitglied, das die Vorschläge der Verwaltung unterstützte, wurde von einem prominenten Kritiker der Parkplatzreduzierung öffentlich zurechtgewiesen – begleitet von emotionalen Ausbrüchen, die den demokratischen und respektvollen Diskurs empfindlich störten. Besonders kritisch ist hierbei, dass dieser Gemeinderat von der Debatte persönlich betroffen ist. Schon allein aus Gründen der Befangenheit und Anstands hätte er sich besser zurückhalten müssen, statt Druck auf Ratskollegen auszuüben.

    Hier verdient Bürgermeister Walz Anerkennung, der sich klar für eine breite Bürgerbeteiligung und eine transparente Entscheidungsfindung einsetzt. Seine Verwaltung hat einen ersten Plan vorgelegt, der die deutliche Reduzierung der Parkplätze vorsieht und die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt.

    Forderung nach belastbaren Daten und rationaler Entscheidungsfindung

    Vor einer finalen Entscheidung sollte nun zügig eine fundierte Analyse durchgeführt werden, ob die elf vorgeschlagenen Parkplätze auf dem Sonneplatz tatsächlich notwendig sind. (Als kleiner Hinweis, ich wohne in einem der Häuser mit Tiefgarage und kann berichten: Diese Parkplätze sind größtenteils frei, 11 zusätzliche Autos könnten problemlos in den Tiefgaragen parken) Eine Entscheidung auf Basis valider Daten ermöglicht es, den Platz im Sinne der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zu gestalten: Begrünt, lebenswert und geeignet für gemeinschaftliche Aktivitäten.

    Ein zusätzlicher Vorteil wäre, dass der Verkehrsfluss auf der Alten Bundesstraße verbessert und die Gefahren für Fußgänger und Radfahrer minimiert würden.

    Mein Appell an die Gemeinde lautet daher klar: Prüfen Sie bitte rasch und faktenbasiert, ob die geplanten Parkplätze wirklich benötigt werden – für ein grünes Herz in der Mitte Gundelfingens – unseren Sonneplatz.